Ende Februar 1998
Die erste Hummel fliegt durch unseren Garten! Jetzt wird es höchste
Zeit, den Nistkasten vorzubereiten !!
Ende März 1998
Der Nistkasten
steht bereit, die Hummeln können kommen!!
Das neue Hummelheim ist ein Nistkasten aus Holzbeton, den ich vor einigen
Jahren von der Firma Schwegler gekauft habe. Der Nistraum ist mit Holzspänen
einer nahegelegenen Schreinerei gefüllt, darauf kam die unbehandelte
Polsterwolle, ebenfalls von der Firma Schwegler.
Das Foto zeigt den Kasten in seinen Einzelzeiten: Im inneren ist die
Polsterwolle gut zu erkennen, darauf wird der hölzerne Deckel und
abschließend das gewölbte Dach aus Holzbeton aufgesetzt. Vorne
befindet sich der offene Vorbau mit Einflugloch an der Seite. Später
wird der Vorbau mit dem kleinen Holzbrettchen verschlossen, so daß
nur noch das Einflugloch offen ist.
Der Nistkasten befindet sich derzeit noch direkt auf dem Boden, wird aber später auf Ziegelsteine gestellt werden, um so die Feuchtigkeit des Bodens fernzuhalten. Eventuell ist auch noch ein Schutz gegen Ameisen erforderlich, davon jedoch später mehr.
04.04.1998
Heute morgen konnte ich eine Hummelkönigin für das neue Heim
gewinnen !!
Sie brummte dich am Boden entlang auf der Suche nach einem geeigneten
Nest. Dabei krabbelte sie hier und dort in interessante Löcher, kam
jedoch noch wenigen Sekunden wieder hervor. Den Nistkasten fand sie leider
nicht von selbst, also mußte ich etwas nachhelfen.
Nach längerem Beobachten konnte ich Ihre Majestät vorsichtig
in eine Pappröhre bugsieren. Hierbei ist natürlich mit äußerster
Vorsich vorzugehen, da der kleine "Luft-Teddybär" keinesfalls verletzt
werden darf !! Schließlich hält man ein ganzes Hummelvolk in
Händen !
Auch darf die Hummel nicht erregt werden, da sie ansonsten keinerlei Interesse mehr für die Nestsuche hat. Meine Königin summte anfangs zwar ein wenig unmutig, als ich das offene Ende der Pappröhre vorsichtig verdeckte, beruhigte sich jedoch schnell wieder.
Am Nistkasten
öffnete ich die Röhre wieder vorischtig und hielt sie langsam
an den Eingang. Und tatsächlich kroch die Hummel in das Nestinnere.
Nach einigen Minuten entfernte ich die Röhre wieder und verdeckte
den Eingang leicht mit Moos, so daß die Prinzessing nicht durch das
Lich nach draußen gelockt würde, sich jedoch jederzeit befreien
konnte.
Dann begann das gespannte Warten !!
Aus mehreren Metern Entfernung, um die Hummel ja nicht zu verschrecken, beobachtete ich den Nistkasten voller Spannung. Dann, endlich, nach ca. 5 Minuten kam sie wieder hervor. Jetzt mußte sich zeigen, ob sie das Nest annehmen würde oder nicht !!!
Und tatsächlich! Die Hummel begann mit dem Orienteirungsflug, d.h. sie schwebte laut brummend in immer größer werdenden Kreisen um den Nistkasten, um sich dessen Position genauestens einzuprägen. Sie flog mal näher, mal weiter weg und verschwand nach ca. 20 Kreisen im Garten des Nachbarn.
Welch faszinierende Vorstellung, daß dieses kaum 3cm kleines, nur wenige Gramm leichte Wesen mit ungeheuerer Präzision wieder genau an diese Stelle zurückfinden wird! Kein Computer vermag zu leisten, was diese Insekten vollbringen!
Nun bleibt mir nur noch übrig zu warten!
Wird sie wiederkommen?
Wird sie überleben? Oder wird sie an der Windschutzscheibe eines
Autos ihr Ende finden?
07.04.1998
Ist sie wieder da? Ich bin mir nicht sicher. Gesehen habe ich sie nicht, aber in den letzten Tagen habe ich vor den Eingang einige Moosfasern hingelegt, die immer wieder weggedrückt waren.
War es der Wind? Oder die Prinzessin??
08.04.1998
Sie ist wieder da!! Heute morgen gegen 8:30 Uhr wollte ich den Eingang erneut kontrollieren, als just zur selben Zeit plötzlich die Hummelkönigin angeflogen kam und in den Nistkasten krappelte! Die Hummel hat das Nest also angenommen!
12.04.1998
Es ist regnerisch und sehr kalt. Von der Hummel habe ich seither nichts mehr gesehen. Ich hoffe, sie hat genug Nektar als Vorrat im Nest, um die kalten Ostertage gut zu überstehen!
13.04.1998
Nichts neues von der Hummel, dafür aber ein neuer Gast in unserem Garten: im Rasen haben sich einige Solitärbienen niedergelassen und ihre winzigen Nester in die Erde gebuddelt.
Das linke Bild zeigt die Bewohnerin des Nests vor dem Nesteingang.
14.04.1998
Es schneit !! Eine dicke Schneedecke hat alles zugedeckt, auch alle Blüten und somit die Futterquelle meiner Hummel!! Also muß ich meiner Hummel etwas Nahrung beschaffen! Dazu besorge ich mir Fruchtzucker und mische einen Nektarersatz:
16.04.1998
Gestern war der Legostein vollständig geleert und ich habe ihn erneut aufgefüllt. Heute war noch etwa die Hälfte des Futters übrig. Da es zudem schon wieder wärmer und der Schnee fast vollständig geschmolzen ist, beende ich die Zufütterung. Schließlich soll die Hummel selbst für ihre Nahrung sorgen und die Blüten bestäuben.
25.04.1998
Das Wetter ist schön, die Blumen und Obstbäume blühen. Hummeln und Bienen haben alle Hände .. ähh. Flügel voll zu tun. Allmählich sieht man auch andere Hummelarten auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Neben der dunklen Erdhummel (also wie meine Prinzessin) sind es auch Stein- und Ackerhummeln, die ihre Bahnen durch unseren Garten ziehen.
Ich nutze das schöne Wetter um endlich meinen selbstgebauten Nistkasten aufzustellen. Das aus Abfallholz zusammengenagelte Gebilde ist zwar nicht sehr schön anzusehen, aber das stört (hoffentlich) die Hummeln weniger.
Das Innere habe ich zum Schutz vor Wachsmottenlarven mit alten Vorhängen ausgekleidet und den Nistraum mit Holzspänen und Polsterwolle aufbereitet.
Fehlt -wieder mal- nur noch eine Hummel ...
30.04.1998![]() Mittags habe ich beobachten können, wie die Steinhummel in das Einfluglock kriechen wollte. Ich konnte es verhindern, in dem ich die Öffnung zuhielt. Aber offensichtlich ist sie wiedergekommen... Schade, schade! |
02.05.1998
Heute konnte ich die erste Arbeiterin "meines" Volkes beobachten. Gerade als ich den Nistkasten öffnete, krabbelte sie am Eingang herum. Also ist die Königin nun nicht mehr ganz allein auf sich gestellt!!
03.05.1998
Auch mein selbstgebastelter Nistkasten ist nun bewohnt! Zufällig beobachtete ich, wie eine große Hummel zielstrebig den Nistkasten umflog und hinein kroch. Leider konnte ich auf die Schnelle nicht erkennen, um welche Art es sich handelte. Aber ich sah, daß ihre Hinterbeine dick und schwer mit gelbem Blütenstaub beladen waren. Die Hummel hat also bereits Vorratsbehälter und Waben für die ersten Eier gebaut!
13.05.1998
![]() Auf dem Foto ist deutlich das erste Wachs-Töpfchen zu sehen, in das die Hummel ihre ersten Nektar-Vorräte einfüllt. |
17.05.1998
![]() Mittlerweile habe ich den dritten (und letzten) Nistkasten aufgestellt. Auch dieser wurde mittlerweile von einer (Stein-)Hummel besiedelt. Somit sind alle "Wohungen" belegt und zwar:
Nr. 1 von einer Erdhummel |
07.06.1998
![]() Die hellen Erdhummeln (Volk 1) entwickeln sich allmählich zu einem schönen Völkchen. Ich mußte vor kurzem lediglich eine Ameiseninvasion abwehren. Dazu legte ich unter den Hummelkasten eine Glasplatte, deren Unterseite ich mit Pflanzenöl bestrich. Das hält jede Ameise ab! Aber auch die Hitze der letzten Tage (35°C !) macht den Tierchen zu schaffen: sie sitzen auf dem Nest und schlagen mit den Flügeln, so daß die dabei entstehende Luftbewegung das Nest abkühlt. Auch das Volk der Steinhummel (Volk 3) scheint nun schon die ersten Arbeiterinnen hervorgebracht zu haben. Jedoch mit Abstand am weitesten entwickelt ist nach wie vor das Erdhummelnest (Nr. 1). Das Foto zeigt eine helle Erdhummel (vielleicht ist es ja eine aus meinem Nest?) im Anfulg auf eine Hagebuttenblüte. |
11.07.1998
Die Völker entwickeln sich gut: Die Erdhummeln (Volk 1) scheinen bereits erste Jungköniginnen oder Drohnen hervorzubringen. Zumindest sind hin und wieder etwas größere Brummer zu beobachten.
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gaben eine Party |
14.07.1998
Die Wiesenhummeln (Volk 2) überraschen mich: Obwohl sie als letztes Volk eine meiner Hummel-Villen besiedelt haben sind sie doch die Ersten, die Jungköniginnen hervorbringen!
Die Erhummeln dagegen lassen es sich an der Legobar weiterhin gut gehen (Foto links), bzw. sind fleißig beim Einfliegen von Blütenpollen. (Foto rechts: sehr gut sieht man hier den Pollen-Klumpen am Hummel-Bein)
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24.07.1998
Jetzt ist es gewiß: meine Erdhummeln aus dem ersten Nistkasten haben Jungköniginnen hervorgebracht. Heute sah ich eine junge Prinzessin etwas verschüchtert aus dem Flugloch schauen. Nach einigen vorsichtigen Blicken in die große weite Welt ist sie wieder in den Bau zurückgekrabbelt. Somit war das Hummeljar auch für dieses Volk erfolgreich!
19.09.1998
Ich nutze den ersten regenfreien Tag seit 3 Wochen, um in meinen Nistkästen nach dem Rechten zu sehen. Wie erwartet ist keiner meiner Kästen mehr bewohnt. Die Erdhummeln sind schon in den letzten Wochen merklich weniger geworden. Als ich heute das Nest öffnete, fiel mir ein relativ starker Befall von Milben auf. Vielleicht hat auch dies das Absterben des Volkes etwas beschleunigt.
Da keine Hummel mehr anzutreffen war, habe ich den Kasten entleert. Aufgrund der in jedem Hummelnest vorkommenden Parasiten verbrennt man sowohl Polsterwolle und Nest als auch das Streumaterial.
Auch die Steinhummeln haben das Nest bereits verlassen. Da es ein relativ kleines Nest ist, bin ich mir nicht sicher, ob Jungköniginnen daraus hervorgegangen sind oder nicht. Ich werde es aber im nächsten Jahr erfahren, wenn die jungen Königinnen zurückkehren und hier ein neues Nest gründen wollen.
Die Wiesenhummeln sind das einzige Volk, von dem ich mit absoluter Sicherheit sagen kann, daß Königinnen und Drohnen daraus hervorgegangen sind. Mehrere Tage, ja beinahe Wochen lang, konnte ich beobachten, wie sie ausflogen und wieder zurückkehrten. Ein reger Flugverkehr!!
Doch auch dieser Nistkasten ist nun verwaist. In ihm war das schönste Nest zu finden, wie auf folgendem Foto zu sehen ist. Man bedenke: all das ist entstanden aus der einen Wabe, die auf dem Foto vom 13.05.1998 zu sehen ist!
Nun werde ich alle Nistkästen leeren, säubern und anschließend für den Winter im Keller verstauen. Die neuen Bewohner des nächsten Frühjahres warten aber schon!
Damit wäre dieses Tagebuch eigentlich an sein Ende gelangt. Doch das Hummeljahr ist noch nicht ganz abgeschlossen. Jetzt beginnt die Zeit der Überwinterung. Die Hummelköniginnen haben sich im schützenden Erdreich vergraben und warten auf das kommende Frühjahr.
Und erst dann, wenn die Jungköniginnen aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt sind, ist das Hummeljahr endgültig vorüber bzw. beginnt ein neuer Zyklus.
So bleibt jetzt nichts anderes als zu warten. Und zu hoffen, daß es viele Jungköniginnen schaffen werden, den Winter zu überstehen.
Wenn dann im Frühjahr nächsten Jahres (1999) die ersten Hummeln fliegen, werde ich den letzten Eintrag in dieses Tagebuch machen ..... und ein Neues beginnen.