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So mancher Imker erschrickt in diesen Tagen, wenn er das Gewicht seiner Beuten kontrolliert. Sie sind zu leicht, es ist zu wenig Futter im Volk! Doch die Notfütterung im Winter ist nicht schwierig.

So mancher Imker erschrickt in diesen Tagen, wenn er das Gewicht seiner Beuten kontrolliert. Sie sind zu leicht, es ist zu wenig Futter im Volk! Doch die Notfütterung im Winter ist nicht schwierig.

Hier werden zwei Verfahren aufgezeigt, die man bei Plusgraden und auch bei Frost anwenden kann, um ein Verhungern der Bienen zu verhindern.

A) Flüssig füttern mit der Glas-Methode

Vorteile:

  • man bekommt das Futter relativ schnell in die Völker
  • der Brutanreiz ist nicht so stark, da nur kurz gefüttert wird
  • ein verkleben der Bienen ist nahezu ausgeschlossen.

Nachteile:

  • Damit die Bienen das Futter abnehmen sollte es etwas wärmer sein (> 5-10 Grad)
  • Man braucht eine Leerzarge, dadurch evtl. etwas Wärmeverlust
  • Die Bienentraube muß bereits direkt unter der Folie sitzen, sonst wird das Futter nicht erkannt.

Was brauchen wir?

  • 1 Glas mit Metalldeckel (z.B. Gurkenglas, aber auch ein Honigglas ist möglich. Es muß sauber sein!)
  • 1 dicker Nagel (1-2 mm)
  • 1 Hammer
  • Flüssiges (!) Futter (Sirup oder verflüssigter eigener Honig)
  • 2-3 Stück ca. 5 mm dicke Abstandshalter (Hölzchen, Legosteine etc.)
  • 1 sehr scharfes Messer / Skalpell
  • Leerzarge

 

Schritt für Schritt

1. Deckel lochen
Mit dem Nagel schlagen wir 10-15 Löcher in den Metalldeckel. Je mehr Löcher, desto schneller kann das Futter abgenommen werden.

2. Futter ins Glas geben
Das Futter muß flüssig und am besten etwas angewärmt sein. Eigener Honig sollte nach Angaben der LWG-Bayern auf 65 Grad Celsius erwärmt werden, wenn Gärungsgefahr besteht.  Nicht geeignet sind Wald-, Heide- oder Melezitosehonig.

Eine Verdünnung des Honigs mit Wasser beschleunigt die Abnahme, allerdings müssen die Bienen das Wasser auch wieder entfernen und haben so zusätzliche Arbeit. Um das Wasser los zu werden müssen sie ausfliegen – schlecht bei niedrigen Temperaturen!

Ich verfüttere Honig daher pur oder mit bereits vorinfertiertem Sirup verdünnt, nicht aber mit Wasser. Mit der Gläsermethode besteht keine Gefahr, daß Bienen verkleben.

Um eigenen Honig zu verflüssigen kann man den festen Honig in das Glas geben und ihn im Wasserbad oder ggfs. auch im Backofen erwärmen. Beim Backofen muß man jedoch prüfen, ob die Temperaturen nicht zu hoch werden, da manche Öfen mit stark schwankenden Temperaturen arbeiten.

Ist der Honig verflüssigt bzw. der Sirup handwarm angewärmt, wird das Glas randvoll gemacht und der gelochte Deckel aufgeschraubt. Wichtig: der Deckel muß fest sitzen!


3. dann geht’s zu den Bienen!
Wir nehmen den Beuten-Deckel ab, so daß wir durch die Folie die Wintertraube sehen. Direkt über der Traube schneiden wir nun ein kleines Loch in die Folie, ca. 2-3 cm  im Durchmesser.

Direkt über der Traube wird ein Loch in die Folie geschnitten

 

Links und rechts neben das Loch legen wir die Abstandhölzchen und stellen darauf das Glas mit dem Deckel nach unten. Es soll unter dem Glas ein Hohlraum entstehen, in dem sich die Bienen aufhalten können.

Aus dem Glas tropft erst etwas Honig/Futter heraus, wenn wir es umdrehen. Dieses Futter sollte man möglichst auffangen und nicht z.B. im Freien liegen lassen. Es könnte eine Räuberei auslösen!

Das Glas steht auf den Abstandshölzern.
Hier wurde es schon ausgeschleckt...

 

Keine Angst, das Tropfen hört recht schnell wieder auf. Im Glas entsteht ein Unterruck, der das Futter im Glas hält.

Nun stellen wir die Leerzarge auf den Brutraum, Deckel drauf und fertig! In 1-2 Tagen sollte das Glas leer sein und kann durch ein Neues ersetzt werden.

Hat der Deckel innen einen Hohlraum, reicht eine Halbzarge damit das Glas Platz findet. Ansonsten verwendet man eine Vollzarge.

 

Bitte beachten:
Das Ganze funktioniert nur dann gut, wenn die Traube direkt unter der Folie zu erkennen ist. Sitzen die Bienen z.B. bei Zweizargern noch weiter unten, wird das Futter nicht gefunden und nicht abgenommen! Hier müssen dann die Temperaturen deutlich höher sein!


B) Futterteig auflegen

Vorteile:

  • auch bei niedrigeren Temperaturen anwendbar
  • keine Leerzarge erforderlich, somit kein Wärmeverlust! (Nur wenn der Innendeckel

Nachteile:

  • Die Bienentraube muß bereits direkt unter der Folie sitzen, sonst wird das Futter nicht erkannt.
  • Starker Brutanreiz, da die Abnahme des Futters länger dauert.

Was brauchen wir?

  • 1 Gefrierbeutel
  • 1 Futterteig (selbstgemacht oder gekauft), nicht zu weich
  • 1 sehr scharfes Messer / Skalpel
Futterteig und scharfes Messer.
(muß ja nicht gleich ein medizinisches Skalpell sein wie hier)

Schritt für Schritt
Diese Methode ist noch einfacher als die Flüssigfütterung und eignet sich auch sehr gut zur Reizfütterung.

Man gibt Futterteig in einen Gefrierbeutel und walzt es zu einen 5mm – 1 cm dicken Fladen aus. Damit geht es auch schon zu den Bienen. Auch hier wird mit dem Messer ein Loch in die Folie geschnitten, direkt über der Bienentraube.

Direkt über der Traube ein Loch in die Folie schneiden

Zusätzlich schneidet man ein passendes Loch auch in den mit Teig gefüllten Gefrierbeutel. Dann legt man „Loch auf Loch“, so daß die Bienen sofort Zugang zum Teig haben. Man kann sicherheitshalber um das Loch herum den Teig etwas zur Seite drücken, damit er nicht gleich in die Bienentraube tropft.

Ein dazu passendes Loch in den Beutel mit Futterteig

 

Deckel drauf und fertig! Eine Leerzarge ist nicht erforderlich, wenn man innen hohle Innendeckel verwendet bzw. das Isoliermaterial entnommen werden kann.

Loch auf Loch legen - fertig!

 

Beachte: auf den Gefrierbeutel sollte nichts mehr drauf gelegt werden. Anderenfalls könnte die Tüte zusammengedrückt und Bienen darin gefangen werden und verenden.

Dieser Teigfladen wird nun sehr langsam abgenommen. Somit eignet sich das Verfahren nur, wenn noch halbwegs nennenswerte Mengen Futter im Volk sind. Um das Volk vor den nahen Hungertod zu retten ist die flüssige Fütterung mit dem Glas besser!

Deckel zu und fertig.
Das Isoliermaterial hat nun im hohlen Deckel keinen Platz mehr und kommt einfach oben drauf.

Hat man erst einmal Teig aufgelegt, sollte der Futterstrom auch nicht mehr abreißen. Also nun immer rechtzeitig einen neuen Fladen auflegen! (Ca. jede Woche) Die Bienen verlassen sich nun auf diesen ständigen Futterstrom und fangen dementsprechend stark an zu brüten.

Der Grundsatz beim Futter lautet stets: lieber 1 kg zuviel als nur 1 g zu wenig!

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