Wirtschaftliche Bedeutung der Hummeln



“Was haben Hummeln denn mit der Wirtschaft zu tun?” wird man sich bei dieser Überschrift
fragen.

Bedenkt man jedoch, wie ein Großteil unserer Nahrung zustande kommt, wird man dies besser verstehen. “Von der Blüte bis zum Apfel – dazwischen liegt der Besuch eines bestäubenden Insektes. In vielen Fällen war der Besucher eine Hummel.”1

apfelbl
Fast jede Frucht, alles Obst kann nur entstehen, wenn die Blüten im Frühjahr bestäubt werden. Das kann man sich in unserer Zeit, in der wir uns immer mehr von der Natur und ihren Zusammenhängen entfernen, nicht oft und deutlich genug vor Augen führen.

Im allgemeinen wird die große Bestäubungsleistung hauptsächlich den Bienen zugeschrieben, doch sind daran noch eine Vielzahl weiterer Insekten beteiligt. Neben Wespen, Käfern, Schmetterlingen und Solitärbienen sind es auch Hummeln, die durch den Besuch der Blüten neues Leben schaffen.

apfel2Die Bestäubungsleistung, die die Hummel erbringt, ist dabei sogar noch größer als die der Bienen. Die Hummel hat die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur selbst noch bei 5°C Außentemperatur auf etwa 35°C zu halten. Dadurch können diese Insekten auch noch bei Temperaturen und Wetterbedingungen fliegen, bei denen keine Biene den Stock verläßt. Zudem sind Hummeln durch ihr größeres Körpergewicht “windfester” als die kleineren Bienen.

An so machen verregneten, kalten Frühjahrstagen ist einzig und allein die Hummel unterwegs und bestäubt durch ihren Sammelflug unsere Obstbäume.

Durch die Temperaturregelung benötigt die Hummel natürlich mehr Energie und damit auch mehr Nektar. Dies schlägt sich wiederum in größere Sammel- und damit Bestäubungsleistung nieder. “Es wurde beobachtet, daß Hummeln im Gegensatz zu Honigbienen in derselben Zeit die 3 bis 5fache Anzahl von Blüten besuchen. Bei einer Zählung wurden für den 100minütigen Sammelflug einer Ackerhummel 2.634 besuchte Blüten ermittelt.”2

Neben Obstpflanzen werden von den Insekten natürlich auch andere Pflanzen bestäubt, wie
beispielsweise der Rotklee. Diese Pflanze ist für die Viehwirtschaft als Futterpflanze von großer Bedeutung!

Rotklee hat Blüten mit langen, engen Blütenröhren, die von Bienen nicht bestäubt werden können, da ihr Rüssel zu kurz ist. Ausschließlich langrüsselige Hummeln sind in der Lage, diese Pflanze zu bestäuben und dadurch deren Fortbestand zu sichern. In Frankreich und Dänemark macht man sich diese Tatsache zunutze, indem neben Rotkleefeldern Hummelnester aufgestellt werden. So leisten die kleinen Brummer auch einen Beitrag zur Viehwirtschaft.

Ein weiterer Nutzen dieser Insekten hat auch mich sehr überrascht. Denn die kleinen Tierchen sind wesentlich an der Verdauung unserer Rinder, Schafe und Ziegen, und damit an der Ausnutzung des Futters für die Viehwirtschaft, beteiligt. Wiederkäuer können zwar zelulosehaltiges Futter verwerten, doch ist die Ausnutzung dieses Futters nicht sehr hoch, ein Teil wird ungenutz ausgeschieden. In manchen Blüten, wie etwa Hahnenfußgewächse und Luzernen lebt im Nektar eine bestimmte Hefepilzart (Kreuzhefe, lat. Anthomyces reukaufii). Diese Hefe wird von Wiederkäuern mit den Blüten gefressen. Im Verdauungstrakt der Tiere vermehrt sich diese Hefe und hilft dem Tier, zelulosehaltiges Futter etwa um 20% besser zu verwerten. Doch diese Hefe kommt nicht in allen Blüten vor. Erst durch den Flug von bestäubenden Insekten wie Hummeln wird dieser Pilz von Blüte zu Blüte getragen. Dort kann sich die Hefe vermehren und wird schließlich von unseren Nutztieren gefressen.

Somit dürfte die Frage, was denn Hummeln mit unserer Wirtschaft zu tun haben, beantwortet sein. Von der Bestäubung über die Futterpflanzen zur Viehwirtschaft und dort Kosteneinsparungen durch bessere Futterverwertung, all dies haben wir auch den Hummeln zu verdanken.

Doch für mich persönlich am wichtigsten ist der schöne Anblick einer geschäftig von Blüte zu Blüte fliegenden Hummel, das tiefe Brummen dieser Teddybären an einem schönen Sommertag!

1 : Naturführer Hummeln, Neumann – Neudamm, Se. 38
2: Naturführer Hummeln, Neumann – Neudamm, Se. 40



(C) Alex Schlecht, Sonntag, 16. März 2003


Umweltgarten


Meine Imkerei
Die Bienen, der Imker
und der Honig…

Imkerei Alex Schlecht